Viele denken beim Balkonkraftwerk immer noch an zwei Module am Balkon und einen kleinen Wechselrichter mit 800 Watt. Genau so war es lange Zeit auch gedacht. Doch mit der aktuellen VDE-Norm – genauer gesagt mit einer Erweiterung innerhalb der VDE DIN 4105 – wurde dieses Konzept im Grunde neu gedacht.
Das Spannende daran: Die bekannte 800-Watt-Grenze für die Einspeiseleistung bleibt zwar bestehen. Aber auf der Erzeugerseite, also bei der angeschlossenen Modulleistung, eröffnen sich plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Wer sein System clever plant und mit einem Batteriespeicher kombiniert, kann sein Balkonkraftwerk seit dem 1. März deutlich leistungsfähiger aufbauen als noch vor kurzer Zeit.
Ich möchte dir hier aus meiner Sicht als Elektrotechniker erklären, was sich geändert hat – und warum das Thema Balkonkraftwerk mit Speicher oder PV-Anlage gerade jetzt richtig spannend wird.
Die wichtigste Änderung der VDE-Norm
Die klassische Regel für ein Balkonkraftwerk war bisher:
- maximal 800 Watt Einspeiseleistung
- maximal 2000 Watt Modulleistung
Diese Grundidee bleibt weiterhin bestehen. Die neue VDE-Norm verändert aber einen entscheidenden Punkt: Die Begrenzung der Modulleistung wird deutlich flexibler betrachtet.
Das bedeutet konkret: Das eigentliche Nadelöhr bleibt die 800-Watt-Grenze für die Einspeisung ins Hausnetz. Aber wie viel Leistung deine Solaranlage auf der DC-Seite erzeugen kann, ist deutlich offener geworden.
Theoretisch lassen sich damit deutlich größere Modulflächen anschließen, ohne dass daraus automatisch eine klassische PV-Anlage mit Elektrikerpflicht wird.
Wie groß kann ein Balkonkraftwerk jetzt werden?
Ganz ohne Grenzen geht es natürlich nicht. Es gibt zwei technische Schwellen:
- ab 7 kWp: intelligentes Messsystem notwendig
- ab 30 kW: zusätzliche Technik wie Wandlerschrank erforderlich
Für typische Balkonkraftwerk-Systeme bedeutet das in der Praxis: Du kannst deutlich mehr Module anschließen als früher, ohne sofort in große Photovoltaikanlagen zu rutschen.
Und genau an diesem Punkt wird der Batteriespeicher interessant.
Das Konzept eines „Monster-Balkonkraftwerks“
Dahinter steckt eigentlich eine recht einfache Idee: Die Anlage wird auf der Erzeugungsseite deutlich größer dimensioniert als ein bisher klassisches Balkonkraftwerk, während die Einspeiseleistung ins Hausnetz weiterhin auf die bekannten 800 Watt begrenzt bleibt. Der entscheidende Baustein dabei ist der Speicher, der den überschüssigen Solarstrom aufnimmt und später wieder zur Verfügung stellt.
In der Praxis kann ein solches System zum Beispiel so aufgebaut sein, dass mehrere PV-Module direkt am Speicher angeschlossen werden und zusätzlich weitere Module über einen Mikrowechselrichter eingebunden sind. Kombiniert mit einer entsprechend großen Speicherkapazität entsteht so eine Anlage, die auf der Modulseite fast 7 kW Leistung erreichen kann, während sie gleichzeitig normkonform weiterhin nur 800 Watt ins Hausnetz einspeist. Dadurch lässt sich deutlich mehr Solarstrom erzeugen und speichern, ohne die typischen Grenzen eines Balkonkraftwerks zu überschreiten.
Warum ein Batteriespeicher dabei so wichtig ist
Ein Batteriespeicher spielt bei größeren Balkonkraftwerksystemen eine entscheidende Rolle. Ohne Speicher würde ein großer Teil der erzeugten Solarenergie schlicht ins Netz fließen oder sogar ungenutzt bleiben, weil die Einspeiseleistung weiterhin auf 800 Watt begrenzt ist. Mit einem Speicher lässt sich dieser überschüssige Solarstrom jedoch zwischenspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt im Haushalt nutzen. Dadurch steigt der Eigenverbrauch deutlich und die erzeugte Energie wird wesentlich effizienter genutzt.
Ein gutes Beispiel für einen TOP Batteriespeicher ist der unser Avocado 22 Pro Speicher, den wir gemeinsam mit dem Hersteller FoxESS entwickelt haben. Dieser kann über seine direkten PV-Eingänge mit bis zu 2,6 kW geladen werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, über einen Mikrowechselrichter weitere 1,2 kW Ladeleistung einzubinden. Zusammengenommen ergibt sich daraus eine maximale Ladeleistung von bis zu 3,8 kW. Bei dieser Leistung lässt sich selbst ein großer Speicher mit 12,66 kWh Kapazität bei optimalen Bedingungen in etwas mehr als drei Stunden vollständig aufladen.
Du bist schon von unserem Avocado 22 Pro überzeugt und möchtest deinen Batteriespeicher erweitern? Eine Erweiterung deines Avocado Speichers ist ab sofort bis zu 12,66kWh möglich. Alle Informationen und Details zum neuen Update des Testsiegers findest du in unserem Blogbeitrag:
Dein Balkonkraftwerkspeicher wächst mit: Avocado 22 Pro jetzt mit 12,66 kWh Batteriespeicher
Strom rund um die Uhr nutzen
Der entscheidende Vorteil eines großen Balkonkraftwerks mit Speicher: Du entkoppelst Stromproduktion und Stromverbrauch.
Anmeldung und Bürokratie
Der bürokratische Aufwand bei der neuen VDE-Norm bleibt überraschend überschaubar. Die Anmeldung erfolgt weiterhin über das bekannte Marktstammdatenregister.
Dort werden folgende Angaben zu deinem Balkonkraftwerk eingetragen:
Wenn du das große Photovoltaik-System aufbaust, solltest du zusätzlich den Netzbetreiber informieren. Dafür gibt es das Formular VDE F1.2. Dieses muss von dir ausgefüllt und an den Netzbetreiber gesendet werden.
Alle Informationen rund und die Anmeldung findest du in unserem Blogbeitrag zum Thema Anmeldung eines Balkonkraftwerks.
Balkonkraftwerke - Die Anmeldung bei der Bundesnetzagentur - Eine Schritt-für-Schritt Anleitung
Der richtige Stromzähler
Ein wichtiger Punkt ist der Stromzähler. Wenn in deinem Haus noch kein Zweirichtungszähler installiert ist, tauscht der Energieversorger deinen Zähler mit Rücklaufsperre gegen einen Zweirichtungszähler aus.
Das hat zwei Vorteile:
- Einspeisung wird korrekt erfasst
- eine mögliche Einspeisevergütung kann genutzt werden
Bleibt die Solaranlage wirklich bei 800 Watt?
Eine häufige Frage ist, ob bei einem System mit Speicher und zusätzlichem Mikrowechselrichter nicht mehr als die erlaubten 800 Watt ins Hausnetz gelangen könnten. In der Praxis wird das jedoch durch die intelligente Steuerung der Systeme verhindert. Beim getesteten Aufbau regelt die Elektronik automatisch, dass unabhängig davon, ob Energie aus dem Batteriespeicher, den PV-Modulen oder dem Mikrowechselrichter kommt, in Summe niemals mehr als 800 Watt ins Hausnetz eingespeist werden. Dadurch bleibt das Balkonkraftwerk trotz deutlich größerer Modulleistung vollständig normkonform nach VDE.
Gleichzeitig bleibt der Installationsaufwand weiterhin gering, denn die aktuelle VDE-Regelung zum Festanschluss betrifft vor allem reine Mikrowechselrichter. Hybridlösungen, bei denen Speicher und Wechselrichter in einem Gerät kombiniert sind, werden bislang nicht ausdrücklich eingeschlossen. In der Praxis bedeutet das, dass viele dieser Systeme weiterhin über eine Steckdose betrieben werden können. In Verbindung mit einem EcoTracker, der den Stromverbrauch direkt am digitalen Stromzähler misst und das System entsprechend steuert, bleibt das gesamte Konzept damit im Plug-and-Play-Bereich – also weiterhin ohne aufwendige Installation und ohne Elektriker umsetzbar.
Fazit zur neuen VDE-Norm
Die neue VDE-Norm verändert das Konzept des Balkonkraftwerks deutlich. Die 800-Watt-Grenze bleibt zwar bestehen, aber auf der Erzeugungs- und Speicherseite sind plötzlich viel größere Systeme möglich.
Wer sein Balkonkraftwerk heute mit einem Batteriespeicher kombiniert, kann:
- mehr Solarstrom nutzen
- den Eigenverbrauch erhöhen
- Strom auch nachts verwenden
- unabhängiger vom Netz werden
Aus technischer Sicht ist das ein spannender Schritt: Vom einfachen Steckersolar-Gerät hin zu einer kleinen, modularen Solaranlage für zuhause.