Balkonkraftwerk richtig ausrichten: So holst du das Maximum aus deinen Solarmodulen
Verschenkst du einen großen Teil deines Solarertrags, nur weil deine Solarmodule nicht optimal ausgerichtet sind? Genau das sehe ich in der Praxis leider sehr häufig. Dabei reden wir hier nicht über ein paar Prozentpunkte, sondern schnell über 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag, nur durch eine ungünstige Modulausrichtung oder einen falschen Neigungswinkel.
Ich bin Samuel, Elektrotechniker und Produktmanager bei Tepto, und genau dieses Thema begegnet mir täglich – egal ob beim klassischen Balkonkraftwerk oder bei einer größeren Solaranlage. Die gute Nachricht vorweg: Die richtige Modulausrichtung ist keine Wissenschaft. Wer ein paar grundlegende Regeln beachtet, kann aus seinen Solarmodulen deutlich mehr herausholen.
Warum die Modulausrichtung beim Balkonkraftwerk so entscheidend ist
Die wichtigste Grundregel bei jeder Photovoltaikanlage lautet: Die Himmelsrichtung entscheidet über den Ertrag. In Deutschland ist die Lage klar. Eine Ausrichtung nach Süden liefert den höchsten Jahresertrag, während nach Norden ausgerichtete Module deutlich weniger leisten.
Solange Solarmodule flach liegen, spielt die Himmelsrichtung zunächst eine untergeordnete Rolle. Sobald sie jedoch geneigt oder aufgeständert werden, wirkt sich die Ausrichtung direkt auf die Stromproduktion aus. Genau hier werden in der Praxis die meisten Fehler gemacht.
Ein konkretes Beispiel aus Messwerten verdeutlicht das sehr gut. Ein senkrecht montiertes Modul mit 90 Grad Neigung, exakt nach Süden ausgerichtet, erreicht rund 69 Prozent seines maximal möglichen Ertrags. Wird dieses Modul stattdessen nach Osten oder Westen gedreht, sinkt der Wert bereits auf etwa 48 Prozent. Bei einer reinen Nordausrichtung bleiben sogar nur noch rund 18 Prozent übrig. Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, wie groß der Einfluss der Modulausrichtung tatsächlich ist.
Der Neigungswinkel: Warum flach nicht automatisch besser ist
Neben der Himmelsrichtung spielt der Neigungswinkel eine zentrale Rolle. Auf den ersten Blick klingt ein flach montiertes Solarmodul attraktiv. Bei einer Neigung von 0 Grad lassen sich im Durchschnitt etwa 87 Prozent des maximalen Ertrags erreichen, nahezu unabhängig von der Ausrichtung.
In der Praxis hat das jedoch einen entscheidenden Nachteil. Flach liegende Solarmodule verschmutzen deutlich schneller. Blätter, Staub, Pollen und Vogelkot bleiben liegen, Regen kann diese Verschmutzungen kaum abspülen. Der Ertrag sinkt dadurch langfristig weiter, oft unbemerkt.
Geneigte Module verhalten sich hier völlig anders. Ab einem Winkel von etwa 30 bis 40 Grad sorgt der Regen für eine natürliche Selbstreinigung. Viele Photovoltaikanlagen auf Hausdächern zeigen genau das: über Jahrzehnte stabiler Ertrag bei minimalem Reinigungsaufwand. Aus technischer Sicht gilt deshalb ganz klar: Steil ist besser als flach, nicht nur wegen der Sonneneinstrahlung, sondern vor allem wegen der Sauberkeit der Module.
Wenn dein Balkonkraftwerk verschmutzt ist, bedeutet das für dich weniger Ertrag und dass es Zeit wird, dein Balkonkraftwerk zu reinigen. Du weißt nicht wie oder worauf du hier zu achten hast? Dann nutze unseren kurzen Ratgeber zum Thema Balkonkraftwerk reinigen, warten und pflegen.
Der optimale Neigungswinkel für Solarmodule in Deutschland
Für die meisten Balkonkraftwerke und Solaranlagen in Deutschland liegt der optimale Neigungswinkel zwischen 30 und 40 Grad. Dabei spielen regionale Unterschiede eine Rolle. Im Süden Deutschlands steht die Sonne höher, hier sind etwa 30 Grad ideal. Im Norden steht sie flacher, weshalb 40 Grad oder sogar etwas mehr sinnvoll sein können.
Eine einfache Faustregel aus der Praxis lautet: Südausrichtung kombiniert mit 30 bis 40 Grad Neigung liefert den höchsten Gesamtertrag über das Jahr gesehen.
Wer es noch genauer machen möchte, kann seine Module sogar saisonal anpassen. Im Sommer, wenn die Sonne hoch steht, sind etwa 30 Grad optimal. Im Winter hingegen steht die Sonne deutlich tiefer, sodass ein steilerer Winkel von 60 bis 70 Grad den Winterertrag spürbar verbessert. Als Merkhilfe nutze ich gerne den Spruch: „Von O bis O“ – von Oktober bis Ostern steiler stellen.
Verschattung schlägt jede theoretische Ideal-Ausrichtung
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist die Verschattung. Die beste Modulausrichtung bringt wenig, wenn regelmäßig Schatten auf die Solarmodule fällt. Bäume, Nachbargebäude, Geländer oder Dachaufbauten können den Ertrag massiv reduzieren.
In solchen Fällen kann es sogar sinnvoll sein, bewusst von der rechnerisch optimalen Südausrichtung abzuweichen. Eine leichte Drehung nach Südost oder Südwest kann dafür sorgen, dass morgens oder abends mehr Strom erzeugt wird – genau dann, wenn der Eigenverbrauch hoch ist.
Hochkant montierte Solarmodule: Unterschätzt, aber effektiv
Ein vermeintlich schlechter Standort kann sich in der Praxis als sehr sinnvoll erweisen. Hochkant montierte Solarmodule liefern zwar rechnerisch etwas weniger Spitzenleistung, haben aber klare Vorteile im Winter. Schnee rutscht ab, Blätter bleiben nicht liegen und Verschmutzung ist deutlich geringer.
Gerade bei tief stehender Wintersonne können hochkant montierte Module mehr Strom liefern als flach montierte Systeme. Für viele Balkonkraftwerke ist das eine sinnvolle und oft unterschätzte Lösung.
Hilfsmittel zur Optimierung deiner Solaranlage
Wer seine Modulausrichtung optimieren möchte, sollte vorhandene Werkzeuge nutzen. Viele Städte und Gemeinden bieten Solarkataster an, die geeignete Dachflächen zeigen. Zusätzlich helfen Sonnenverlauf-Apps oder Online-Rechner wie der Steckersolarrechner der HTW Berlin, realistische Ertragsabschätzungen zu treffen.
Am Ende ersetzt nichts den eigenen Blick: Beobachte den Sonnenverlauf über den Tag und über das Jahr. Kleine Anpassungen an der Modulausrichtung können große Auswirkungen auf den Ertrag haben.
Fazit: Kleine Änderungen, großer Effekt
Eine Südausrichtung ist ideal, aber Südost und Südwest sind oft genauso sinnvoll – teilweise sogar besser passend zum eigenen Verbrauch. Der optimale Neigungswinkel liegt zwischen 30 und 40 Grad, steilere Module sind flachen langfristig überlegen.
Aus meiner Erfahrung reichen oft kleine Anpassungen, um deutlich mehr Solarstrom zu erzeugen. Und genau das entscheidet am Ende darüber, ob du deinen Solarertrag optimal nutzt – oder Jahr für Jahr unnötig verschenkt.